Differenzmaschine

 

Entschleunigte Apparatur Differenzmaschine

zur Kommunikation mittels

frei schwingenden Messingatomen

 

 

„Ich bau mir einen Steampunk-Laptop

 

Zunächst schwebte mir ein kleines Steampunk-Holzköfferchen vor, mit einem kleinen Monitor im Inneren des Deckels. Ich sah schon die neidischen Blicke der Fahrgäste in der U-Bahn, wenn ich mit meinem Laptop auf den Knien hantiere. Die schönsten Frauen Frankfurts wollen neben mir sitzen und wissen, woher man diesen tollen Laptop bekommt. „Aus meinem Keller“, würde ich jovial sagen und dann …. weitertippen. Tippen war das Stichwort, das dann alles in ganz andere Bahnen lenkte. Ja worauf tippe ich denn eigentlich? Schon wieder eine Tastatur bauen? Nein. Diesmal soll alles ganz anders werden. Wie hätte denn eine Tastatur vor über hundert Jahren ausgesehen? Bestimmt nicht so wie meine bisherigen Tastaturen, die ich gebaut habe. Die sehen aus wie heutige Tastaturen, nur eben auf alt getrimmt. Da muss jetzt eine andere Technik herhalten, dachte ich mir.P1090614 Im Zwischennetz betrachtete ich mir Bilder der ersten Schreibmaschinen und stolperte irgendwann über ein Photo einer AEG Mignon Zeigerschreibschine. Ich war völlig fasziniert von dieser Technik. Nach dem Prinzip der AEG Mignon funktionieren übrigens auch chinesische Schreibmaschinen. So etwas in der Art wollte ich auch haben. Nur aber ein klein wenig anders. Und mit gaaanz viel Messing.

Reines Messing (Ordnungszahl 29,5 des Periodensystems) ist heutzutage leider nur schwer zu bekommen. Oft erhält man nur Legierungen aus Kupfer und Zink, deren physikalischen und chemischen Eigenschaften sehr fragwürdig und eigenartig sind. Durch einen glücklichen Umstand (Morgens um vier im Frankfurter Bahnhofsviertel) gelangte ich jedoch durch die flüchtige Bekanntschaft eines Exilrussen günstig in den Besitz einer dünnen Platte aus reinem Messing, die aus einem physikalischen Institut aus der Nähe von Omsk stammt.

Für die Funktion der hier gezeigten Apparatur ist dieses reine Messing unabdingbar, da nur durch Messingatome der gewünschte Effekt erzielt werden kann.

Funktion der Tastatur:

Über der Messingplatte sind zwei 1mm dicke Glasscheiben in einem Abstand von 2,6mm angeordnet. Der Hohlraum zwischen den Glasscheiben ist drucklos mit einem Radon-Argon-Gemisch gefüllt, das aus sicherheitsgründen mit einem Vanilleduft versetzt wurde, um rechtzeitig vor Undichtigkeiten zu warnen.

In einigem Abstand wird ein 3Volt-Karbid-Silizium-Leser (Licht emittierende Strahlen aus erzeugtem Rotlicht) mit einem Verschiebegestänge über die Tastatur geführt. Befindet sich der Karbid-Silizium-Leser über dem gewünschten Zeichen, wird per Tastendruck der Leserimpuls ausgelöst. Das Licht des Lesers trifft zunächst auf das Radon-Argon-Gemisch mit einer Emissionswellenlänge von 1.847 nm und wird dabei auf knapp unter 550 nm abgebremst. Je nach Zusammensetzung des Gasgemischs. Nach Durchschreiten dieses Gasmilieus trifft der nun abgebremste Leserstrahl auf die Messingplatte und verbrennt frei schwingende Messingatome auf der jeweiligen Fläche eines Zeichens. Das bei der Verbrennung von Messingatomen entstehende Phlogiston wird mittels lambdaierender Gasinduktion gemessen. Die Einheit dafür lautet mD (milliDoll). Leider ist mir ein Zeiger des Phlogistonmeters abgebrochen und die Firma Conrad ist nicht in der Lage Ersatz zu liefern. Auf einen Einbau des Messgerätes wurde deshalb verzichtet, da es lediglich zur optischen Untermalung gedient hätte. Je nach Phlogistonmenge wird nun über eine kinematische Prosuperation das entsprechende Zeichen auf dem Bildschirm dargestellt.

Allerdings ist hierbei darauf zu achten, dass die Emissionswellenlänge des Lesers konstant bleibt, da es sonst zu Ungenauigkeiten der Messung des Phlogistons kommt und dass statt einem X z.B. ein U abgebildet wird.

Der Vorteil dieser Tastatur liegt ganz klar in ihrem erzieherischen Wert.

Die Benutzung der Tastatur erfordert einen ungleich höheren körperlichen und zeitlichen Aufwand, als eine herkömmliche Tastatur.

Man überlegt es sich also vorher dreimal, bevor man etwas schreibt, das man hinterher vielleicht bereut. Auch ellenlange Sätze gehören der Vergangenheit an, weil man halt ziemlich lange für einen Satz benötigt. Politik würde ehrlicher werden, weil Reden und Antworten der Politiker ohne die üblichen Blablabla-Einschläfer-Ablenk-Floskeln geschrieben werden. Thomas Mann hätte die Buddenbrooks auf drei Buchseiten niedergeschrieben (statt drei Seiten für einen Satz) und mein Briefkasten wäre nicht mehr mit kostenlosen Zeitungen verstopft.

Nachteil:

Die meisten mir bekannten Gebrauchsanweisungen sind anscheinend auf so einer Tastatur geschrieben worden.

 Leider ist dann der Laptop ein ganz klein wenig größer geworden, als er geplant war. Er kann aber an den seitlichen Griffen (ohne den Tastaturunterbau) problemlos auf die heimische Terrasse gestellt werden. Nur mit der U-Bahn und den schönsten Frauen Frankfurts wird das nix, alleine schon deshalb, weil die allerschönste von ihnen bereits mit mir seit vielen Jahren zusammen ist.