Diencephalon

DiencephalonDas Zwischenhirn

 

 

 

Ein bisher weitgehend unerforschtes Gebiet sind die sogenannten transzendentalen Bitstrukturen in elektronischen Rechenanlagen. Programme stürzen ab, weil aus unerklärlichen Gründen urplötzlich aus einer Null eine Eins geworden ist. Diese Bit-Mutation verursacht jährlich nicht nur einen immensen volkswirtschaftlichen Schaden von beträchtlichem Ausmaß, sondern gilt zudem als eine der Hauptgefahrenquelle zur Vernichtung der gesamten Menschheit. Nicht funktionierende Abschaltcodes für Atombomben mögen hierbei nur als ein Beispiel angeführt sein. Eine redundante Kodierung (binäre Quersumme als Prüfsumme) bietet bei der Bitkorrektur nur unzureichenden Schutz, wie das Institut für Quanteninformationstheorie in Boston auf seiner letzten Jahrestagung feststellte.

Diencephalon2Neueste Forschungsergebnisse der Académie de mental chiasse in Lausanne belegen, dass die Bit-Mutation durch die Absorption der sogenannten Omikron-Wellen hervorgerufen wird, deren erstmaliger Nachweis Prof. Dr. Bienlein im letzten Oktober an der Hergé-Universität gelang.

Neben den bis dato bekannten fünf Kategorien der menschlichen Hirnwellen (Alpha, Beta, Gamma, Delta und Theta) bilden die Omikron-Wellen eine weitere Kategorie, deren Existenz bis vor Kurzem noch undenkbar schien. Während die bekannten fünf Wellenarten des menschlichen Gehirns eine Frequenz von 0,1 bis etwa 100 Hertz haben, liegt sie bei den Omikron-Wellen zwischen Diencephalon7900 und 1.100 THz (TeraHertz) und damit über dem Frequenzspektrum des Lichts, das vom menschlichen Auge wahrgenommen werden kann. Dies mag auch der Grund für die bisherige Nichtexistenz in wissenschaftlichen Studien sein, da sich niemand Hirnwellen in diesem Frequenzbereich vorstellen konnte.

Eine Feldstudie an der Akademie in Lausanne förderte nun erstaunliche Fakten zutage. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hirnwellen, die mit Elektroden an der Kopfhaut gemessen werden, können Omikron-Wellen bis in etwa sieben Meter Entfernung des menschlichen Gehirns nachgewiesen werden. Diese Feststellung ließ alle bisherigenDiencephalon4 wissenschaftlichen Erkenntnisse wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Doch es sollte noch ungeheuerlicher werden. An über 5.000 Probanden aus der Gegend um Lausanne wurden Messungen der Omikron-Wellen durchgeführt. Während die Omikron-Wellen bei älteren katholischen Ordensfrauen kaum nachgewiesen werden konnten, lag die Intensität bei jüngeren Gewaltverbrechern erstaunlich hoch. Die Auswertung dieser Studie lässt sich grob vereinfacht in einem Satz zusammenfassen. Je schlechter die Gedanken eines Menschen sind, desto stärker ist die Intensität der Omikron-Wellen.

Nach diesen außerordentlichen Erkenntnissen interessierte die Forscher vor allem was die Omikron-Wellen in der Praxis bewirken. Um eine möglichst hohe Ausschüttung von Omikron-Wellen zu erreichen, wurden 32 Schwerstkriminelle als Probanden ausgewählt, von denen man vermuten konnte, dass sie durchweg schlechte Gedanken hegten. Nachdem man den Testpersonen Augen und Ohren verbunden hatte, wurden sie einzeln nacheinander in einen Versuchsraum geführt und zunächst in Kontakt mit unbescholtenen Bürgern gebracht, die in einem Abstand von 4,50 Meter an einem EEG angeschlossen waren und ebenfalls weder hören noch sehen konnten. Hierbei konnten die Wissenschaftler den Nachweis erbringen, dass sich die Omikron-Wellen zielgerichtet ihren Weg zum Gehirn des Gegenüber suchen und insbesondere im hohen Beta-Wellenbereich bei einer Frequenz zwischen 21 und 38 Hz erhebliche Störmuster hervorriefen. Gerade dieser Frequenzbereich ist charakteristisch für Zustände wie Hektik, Stress, Angst oder Überaktivierung und kann zu erheblichen Wesensänderungen führen. Dies erklärt vielleicht auch die unbewusste Angst, wenn man nachts im Frankfurter Bahnhofsviertel unterwegs ist.

Im nächsten Versuch ließen die Forscher die ausgesendeten Omikron-Wellen auf verschiedene Materialien treffen. In einem modifizierten Versuchsaufbau nach Richard P. Feynman wurden dabei die Auswirkungen der auftreffenden Wellen analysiert. Verblüfft stellte die Forschergruppe unter Leitung von Professor Grabowski fest, dass es die Omikron-Wellen anscheinend besonders auf Materialien abgesehen haben, die in der Lage sind Bits zu speichern. Selbst Tesa-Film, dessen Speicherfähigkeit hinlänglich bekannt sein dürfte, wurde von den Omikron-Wellen lieber heimgesucht, als ein unmittelbar danebenliegender Absorptionsschirm aus purem Gold. Es schien sogar so, als ob die Omikron-Wellen das Gold mieden, obwohl man den aussendenden Personen durchaus eine gewisse Affinität zu dem Edelmetall unterstellen kann.

Und noch etwas erstaunte die Gelehrten. Die Omikron-Wellen konzentrieren sich beim Auftreffen auf ein Medium immer nur auf einzelne Atome und versuchen das Gleichgewicht zu zerstören und dadurch eine Instabilität zu erzeugen. Vorletzten Monat gelang es den Wissenschaftlern den endgültigen Beweis zu erbringen, dass Omikron-Wellen eine Instabilität in der Bitstruktur von Speichermedien erzeugen und für das Kippen von binären Zuständen verantwortlich sind. Aus einer Null wurde eine Eins. Das besonders heimtückische an der Vorgehensweise der Omikron-Wellen ist, das sie die Bits nicht sofort zum Kippen bringen, sondern diese in eine Art Schläferzustand versetzen. Es kann nur wenige Millisekunden dauern, bis sich ein Bitzustand ändert oder aber Jahre. Und in dieser Zeit werden die betroffenen Bits mehrmals um den Globus geschickt und liegen getarnt auf jedem Speichermedium dieser Erde. Der renommierte Computerspezialist Frank T. Bonebaker vom International Woolforth Institute spricht bereits jetzt davon, dass die heutigen Computerviren Kinderkram sind im Gegensatz zu den Bedrohungen, die der Menschheit durch Omikron-Wellen bevorstehen.

Vor zwei Wochen kontaktierte mich Mister Bonebaker und bat mich um eine Lösung des Problems. Da die Wissenschaft hier noch in den Kinderschuhen steckt, habe ich zunächst eine Apparatur ersonnen, um das existierende Wissen der Menschheit für die Zukunft zu sichern. Sie werden erstaunt sein zu erfahren, dass das gesamte sinnvolle Wissen der Menschheit auf drei 64 GB USB-Sticks passt.

Da ich fast frei von schlechten Gedanken jeder Art bin, oblag es mir eine solche Apparatur zu bauen. Ich experimentierte zunächst mit meinem bewährten 2,4-Volt-Karbid-Silizium-Leser (Licht emittierende Strahlen aus erzeugtem Rotlicht), den ich schon erfolgreich bei anderen Projekten eingesetzt hatte. Dabei stellte ich fest, dass sich die heilende Wirkung von Rotlicht auch für schwache und instabile Bits einsetzen lässt. Nach unzähligen Versuchen konnte ich eindeutig belegen, dass die betroffenen Bits durch den Einsatz von Rotlicht wieder gefestigt waren und keinerlei Instabilitäten mehr aufwiesen.

Wie die Forscher um Prof. Grabowski herausgefunden haben, meiden Omikron-Wellen den Kontakt mit Gold. Dies brachte mich auf die Idee, sämtliche Datenströme, die es zu sichern galt, durch das vergoldete Gehirn meines verstorbenen Irish Setters zu leiten. Einerseits haben es die Omikron-Wellen auf Gehirne und technische Speichermedien abgesehen. Andererseits meiden sie den Kontakt mit Gold und es scheint so, als scheuen sie sich so davor wie der Edison vor Drehstrom. Dieser Zwiespalt lässt die Intensität der Omikron-Wellen innerhalb weniger Attosekunden (<3×10−18 s) auf nahezu Null sinken und eine Beeinträchtigung der Gedanken oder Bits ist nicht mehr gegeben.

Das hier vorgestellte Diencephalon garantiert eine hundertprozentige Datenreinheit beim Speichern von Daten und heilt befallene Bits von ihrer Instabilität. Gestern haben sich ein paar alte Kollegen vom Institut für Cryptical Enigma of Restricted Nonsense gemeldet und verkündet, dass sie diese Apparatur in großem Maßstab nachbauen werden. Geplant ist, dass an allen Knotenpunkten des Internets ein Diencephalon aufgebaut werden soll, um eine permanente Bestrahlung und Kräftigung der Bits mit Rotlicht durchzuführen.

Welche Rolle die Omikron-Wellen in der Zukunft spielen werden, z.B. bei der psychologischen Kriegsführung, können wir nur erahnen. Ob allerdings Rembrandt schon Kenntnis von den Omikron-Wellen hatte, wage ich zu bezweifeln. Dennoch werde auch ich mir einen Goldhelm zulegen.

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Gebaut aus:

– Bügel einer alten Wandlampe
– Glas einer kaputten Schneekugel
– Dem Hut eines alten Kerzenlöschers
– rote Plexiglasscheibe (in der Glaskugel)
– Einem Silikon-Halloween-Gehirn , das ich vergoldet habe
– Einem 4-fach USB-Verteiler
– Zahnrad als Drehschalter für den Saft
– Eine rote LED, damit dem Hirn ein Licht aufgeht
– Eine grüne LED in einer M10-Hutmutter als Kontrollleuchte
– Buchstaben und Schild aus 1mm Sperrholz gesägt
– Holz und ein paar Leisten
– Kleinkram wie Vorwiderstände, Messingstange, etc.

 

Im Inneren bietet das Diencephalon Platz für drei Datenstäbchen in einem USB-Hub.